Aufkohlen

Was ist Aufkohlen?

Beim Aufkohlen wird die Randschicht eines Werkstücks mit Kohlenstoff angereichert, um ihre Härtbarkeit zu erhöhen.
Diese zusätzliche Kohlenstoffdiffusion sorgt dafür, dass beim anschließenden Härten eine martensitische, hochharte Oberflächenschicht entsteht, während der Kern zäh und formstabil bleibt.

Das Verfahren ist besonders für niedriglegierte und unlegierte Stähle geeignet, deren Grundkohlenstoffgehalt für eine direkte Härtung zu gering wäre.

Durch das Aufkohlen entsteht somit die ideale Kombination aus Härte an der Oberfläche und Zähigkeit im Kern. Eine Voraussetzung für langlebige, mechanisch belastbare Bauteile.

Wie funktioniert Aufkohlen?

Das Werkstück wird in einer kohlenstoffhaltigen Umgebung auf Temperaturen zwischen 850 und 950 °C erhitzt.

Unter diesen Bedingungen diffundiert Kohlenstoff aus dem Umgebungsmedium in die Randschicht des Stahls und erhöht dort den Kohlenstoffanteil auf etwa 0,25 % oder mehr.

Nach der Aufkohlung folgt meist das Einsatzhärten, bei dem das Bauteil abgeschreckt wird, um die martensitische Härtestruktur zu erzeugen und erhöht dort den Kohlenstoffanteil für die Härtbarkeit.

Je nach Anforderung kommen verschiedene Härteverfahren wie Direkthärten, Einfachhärten oder Doppelhärten zum Einsatz.

Das Ergebnis sind verschleißbeständige, zunderfreie Werkstücke mit hoher Maßgenauigkeit und homogener Schichtbildung.

Technische Vorteile und Anwendungsdetails des Aufkohlens

Vorteile des Aufkohlens

Verlängerung der Lebensdauer durch harte, verschleißbeständige Randschichten

Kosteneffizienter als der Einsatz hochlegierter Stähle

Verbesserte mechanische Eigenschaften, insbesondere Verschleiß- und Biegefestigkeit

Gleichmäßige Schichtbildung bei präziser Prozesssteuerung

Ideal kombinierbar mit nachfolgenden Härtungsprozessen

Werkstoffe und Anwendungs­details

Besonders geeignet für niedrig- und unlegierte Stähle

Anhebung des Kohlenstoffgehalts in der Randschicht auf mind. 0,25 %

Kombination mit nachgeschalteten Härteverfahren (z. B. Einsatzhärten, Vergüten)

Typische Anwendung im Maschinen- und Werkzeugbau, in der Antriebstechnik und Getriebefertigung

Schichtdicken variabel je nach Prozessdauer und Werkstoff (typisch 0,5 bis 2 mm)

Weichzonen können mechanisch oder mit Kupferpaste erzeugt werden

Technische Spezifikationen

Temperaturbereich: 850–950 °C

Typische Schichtdicken: 0,5–2,0 mm (abhängig von Werkstoff und Dauer)

Kohlenstoffgehalt der Randschicht: ca. 0,25–0,9 %

Kombinierbar mit: Einsatzhärten, Einfach- oder Doppelhärten

Geeignete Werkstoffe: unlegierte und niedriglegierte Stähle

Typische Anwender­branchen

Maschinenbau, Antriebstechnik, Getriebehersteller, Werkzeugbau, allgemeiner Stahlbau

Aufkohlungsmedien

Feste Medien: Kohlungspulver oder Granulate

Flüssige Medien: cyanidhaltige Salzschmelzen (nur in speziellen Prozessen)

Gasförmige Medien: methanhaltige Gasgemische

Niederdruck-Verfahren: reiner Kohlenwasserstoff im Vakuum

Durch die Auswahl des geeigneten Mediums lässt sich der Kohlenstoffeintrag präzise steuern. Gasförmige und Niederdruckverfahren werden heute bevorzugt, da sie saubere, reproduzierbare Ergebnisse liefern und ökologisch effizienter sind.

FAQ – Häufige Fragen zum Aufkohlen

Was ist der Unterschied zwischen Aufkohlen und Einsatzhärten?

Beim Aufkohlen wird ausschließlich der Kohlenstoffgehalt in der Randschicht erhöht. Das Einsatzhärten umfasst zusätzlich das anschließende Härten (Abschrecken), um die aufgekohlte Schicht martensitisch zu verfestigen.

Das Aufkohlen ermöglicht größere Schichttiefen und höhere Randschichthärten, während das Nitrieren mit geringeren Temperaturen arbeitet und den Kern ungehärtet lässt.

Je nach Anforderung kommen feste, flüssige, gasförmige oder Niederdruckmedien zum Einsatz. Gasförmige und Niederdruckverfahren gelten heute als besonders prozesssicher und umweltfreundlich.

Das Verfahren wird häufig bei Zahnrädern, Wellen, Bolzen und anderen stark beanspruchten Maschinenelementen eingesetzt, die eine harte Oberfläche und einen zähen Kern benötigen.

Anfrage & Beratung

Sie möchten wissen, ob sich das Aufkohlen für Ihre Bauteile eignet oder wie der Prozess optimal ausgelegt werden kann? Unser Team steht Ihnen von der Werkstoffauswahl bis zur prozesssicheren Umsetzung beratend zur Seite.

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