Vergüten unter Schutzgas.
Was ist Vergüten?
Beim Vergüten handelt es sich um eine Wärmebehandlung, die in zwei Schritten erfolgt: Härten und anschließendes Anlassen.
Durch das Härten wird zunächst eine martensitische, sehr harte Gefügestruktur erzeugt.
Beim anschließenden Anlassen werden die beim Abschrecken entstandenen inneren Spannungen abgebaut, und das Gefüge wird stabilisiert.
Das Ergebnis ist ein Werkstoff mit hoher Festigkeit, guter Zähigkeit und verbesserter Dauerfestigkeit. Eine ideale Kombination für Bauteile, die sowohl hohe Oberflächenhärte als auch Elastizität benötigen.
Wie funktioniert Vergüten?
Das Vergüten besteht aus drei aufeinanderfolgenden Prozessschritten:
- Austenitisieren:
Das Werkstück wird auf die Härtetemperatur zwischen 800 und 950 °C erhitzt, um ein austenitisches Gefüge zu erzeugen. - Abschrecken:
Anschließend wird das Werkstück in Öl abgekühlt. Dabei wandelt sich der Austenit in Martensit um, was die Härte deutlich erhöht. - Anlassen:
Nach dem Abschrecken wird das Material erneut auf eine moderate Temperatur (bis zu 650 °C) erwärmt. Dieser Schritt reduziert die Sprödigkeit und innere Spannung und stellt die gewünschten Gebrauchseigentschaften ein.
Je nach Anlass-Temperatur lässt sich die Balance zwischen Härte und Zähigkeit gezielt einstellen.
Technische Vorteile und Anwendungsdetails des Vergütens
Vorteile des Vergütens
Kombination aus hoher Festigkeit und Zähigkeit
Erhöhte Dauerfestigkeit und Belastbarkeit
Deutlich geringere Sprödigkeit gegenüber rein gehärteten Bauteilen
Verbesserte Schlagzähigkeit und Elastizität
Optimierte Verschleißbeständigkeit und Maßhaltigkeit
Reproduzierbare Ergebnisse durch präzise Temperaturführung
Werkstoffe und Anwendungsdetails
Geeignet für vergütbare Stähle mit einem Kohlenstoffgehalt zwischen 0,25 % und 0,6 %
Typische Werkstoffe: 42CrMo4, C45, 34CrNiMo6, 30CrNiMo8, 50CrV4
Anwendung für hochbeanspruchte Bauteile wie Wellen, Zahnräder, Bolzen, Kurbel- und Antriebswellen
Kombination aus Härte, Zähigkeit und Maßstabilität
Optimaler Prozess für dynamisch beanspruchte Komponenten
Technische Spezifikationen
Austenitisierungstemperatur: 800–950 °C
Abschreckmedien: Wasser, Öl, Gas oder Luft
Anlass-Temperatur: bis zu 650 °C (abhängig von gewünschter Zähigkeit)
Ergebnis: Martensitisch-angelassenes Gefüge mit ausgewogenem Festigkeits-Zähigkeits-Verhältnis
Härteprüfung: Rockwell (HRC), Vickers (HV), Brinell (HB)
Kann je nach Werkstofflegierung auch im Vakuumhärtofen durchgeführt werden
Typische Anwenderbranchen
Maschinenbau, Automobilindustrie, Werkzeugbau, Luftfahrtindustrie, Energie- und Antriebstechnik, Hydrauliksysteme
FAQ – Häufige Fragen zum Vergüten
Was ist der Unterschied zwischen Härten und Vergüten?
Beim Härten wird das Material erhitzt und abgeschreckt, um maximale Härte zu erzielen. Im Gegensatz zum Härten, kommen beim Vergüten höhere Anlasstemperaturen zum Einsatz, um für optimale Zähigkeit zu sorgen.
Welche Werkstoffe können vergütet werden?
Vergütet werden meist mittellegierte Stähle mit einem Kohlenstoffgehalt zwischen 0,25 % und 0,6 %, beispielsweie 42CrMo4 oder 55NiCrMoV7.
Wie lässt sich die Zähigkeit beim Vergüten beeinflussen?
Die Zähigkeit hängt direkt von der Anlass-Temperatur ab. Höhere Anlass-Temperaturen führen zu größerer Zähigkeit, aber geringerer Härte – die ideale Balance wird je nach Anwendung eingestellt.
Warum ist Vergüten wichtig für Bauteile in der Antriebstechnik?
Vergütete Bauteile bieten eine hohe kombinierte Belastbarkeit. Sie sind hart genug für hohe Reibbeanspruchungen, bleiben aber zäh genug, um dynamische Kräfte dauerhaft aufzunehmen.
Anfrage & Beratung
Sie möchten wissen, ob sich das Vergüten für Ihre Bauteile eignet oder wie sich Härte und Zähigkeit optimal kombinieren lassen? Unser Team unterstützt Sie bei der Auswahl des geeigneten Werkstoffs und der optimalen Prozessführung.
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